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Jarosław Kozłowski

Hören mit dem Auge


Nach dem Zweiten Weltkrieg durchtrennte der Eiserne Vorhang Europa und schuf nicht nur eine geographische Ost-West-Trennung, sondern auch systemische ideologische und kulturelle Grenzen.

1971 schufen der Künstler Jarosław und der Kritiker Andrzej Kostołowski das so genannte ‘NET Manifesto’ und verschickten es an mehr als 300 Künstler*innen und Kunsttheoretiker*innen weltweit. Das Manifest forderte die Abschaffung dieser sorgfältig bewachten Grenzen durch einen freien Austausch von Ideen, Projekten, Kunstwerken, Publikationen und anderen Ausdrucksformen, die auch außerhalb des offiziellen Kunstkreises zugänglich gemacht werden.

Ab dem Sommer 2020 präsentiert das Muzeum Susch den zweiten Teil einer Reihe von Präsentationen, die von Jarosław Kozłowski, einer der Schlüsselfiguren der Konzeptkunst, vorbereitet wurden. Während der erste Teil sich auf Text konzentrierte, konzentriert sich ‘Hören mit dem Auge’ auf Klang und Hören und präsentiert Werke und Objekte von über 20 Künstler*innen.

Vorstellungen von Kunst, die verschiedene Genres und Sprachen verwischen und Raum und Klang transformieren, faszinieren Künstler*innen seit langem, sowohl diejenigen, die mit Klang arbeiten, als auch die bildende Kunst. In den 1950er-, 60er- und 70er-Jahren bestand ein außergewöhnliches Interesse an diesem Bereich. Der performative Aspekt der Musik wurde zu einer Inspiration für Maler*innen und Bildhauer*innen gleichermaßen, die den Klang einsetzten, um die bestehenden künstlerischen Paradigmen in Frage zu stellen. Musiker*innen hingegen suchten nach alternativen Ausdrucksformen und tauschten häufig traditionelle Instrumente gegen unkonventionelle akustische Objekte und Partituren gegen Text oder Diagramme.

1952 führte John Cage sein gefeiertes Stück 4'33 auf, das das Publikum dazu veranlasste, der Stille vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden lang zuzuhören. Cages Vorschlag war eine radikale Veränderung dessen, was das Wesen der Musik ausmacht, und ein Wendepunkt in der Überlegung, wie sie erweitert werden könnte.

10 Jahre später, 1962, während eines Fluxus-Festivals im Stadtmuseum Wiesbaden, schuf der Musiker und Komponist Phillip Corner zusammen mit anderen Künstler*innen, darunter George Maciunas, Dicka Higgins, Nam June Paik, Ben Paterson und Emmett Williams, das Werk Piano Activities. Dies war ein symbolischer Akt der Zerstörung eines klassischen Klaviers - ein ebenso klanglicher wie visueller Akt, der mit Empörung aufgenommen wurde. Das Ergebnis der zwölften Version von Piano Activities, die unter Beteiligung des Publikums an der Kunstuniversität in Poznań, Polen, im Jahr 2012 durchgeführt wurde, ist derzeit in Susch zu sehen. Diese Präsentation konzentriert sich auf die Verbindungen zwischen dem Sehen und Hören von Kunst in einer breiten, experimentellen Perspektive.



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