Exposiziuns Temporaras › Kommende Ausstellung › Hannah Villiger

Hannah Villiger

Muzeum Susch

29. Dezember 2022 - Mai 2023

Kuratiert von Madeleine Schuppli & Yasmin Afschar

Porträt von Hannah Villiger, 1976, Rom, Foto: Trix Wetter. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER
Porträt von Hannah Villiger, 1976, Rom, Foto: Trix Wetter. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Im Winter/Frühjahr 2023 zeigt das Muzeum Susch eine umfassende Überblicksausstellung der Schweizer Künstlerin Hannah Villiger (1951-1997). Es ist dies die grösste Präsentation seit über 20 Jahren.

Die Ausstellung eröffnet die Möglichkeit, anhand einer umfangreichen Auswahl an Werken die Künstlerin wieder zu entdecken oder auch erstmals kennen zu lernen. Ein Bogen wird geschlagen von ihren in den 1970er-Jahren entstandenen plastischen Arbeiten, zu den Schwarzweiss-Fotografien und den Werken mit der Polaroid Kamera, welche Villiger ab den 1980er-Jahren schuf. Diese fragmentarischen Nahaufnahmen ihres eigenen Körpers wurden über ein Internegativ vergrössert und auf Aluminium aufgezogen einzeln oder zu raumbezogenen Blöcken zusammengefügt.


Werk 1980/81, Aargauer Kunsthaus Aarau. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER
Werk 1980/81, Aargauer Kunsthaus Aarau. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Gezeigt werden Vintage Prints, bestehende Blöcke sowie Exemplare dieser grossformatigen Arbeiten, die für die Ausstellung in Susch erstmals produziert und damit überhaupt zugänglich gemacht werden. Weitere Entdeckungen stellen Zeichnungen und Papierobjekte aus dem Nachlass dar, welche die Werkauswahl ergänzen. Neben den körperbezogenen Werken schuf Hannah Villiger auch eine Reihe von auf Polaroid basierenden Stadtansichten. Der unmittelbare Blick aus dem Arbeits- und Lebensraum auf das urbane Umfeld in Paris oder Basel lieferte die Inspiration dazu.

Der Zeitpunkt für die geplante Ausstellung ist ideal. Gerade in jüngster Zeit manifestiert sich erneut ein zunehmendes Interesse an dieser Position, die in ihrem kurzen Leben internationale Erfolge feierte, nach ihrem frühen Tod 1997 aber in den Hintergrund geriet. Gerade für eine jüngere Generation finden sich in Hannah Villigers Schaffen zahlreiche Themen, die hochaktuell sind.


Skulptural 1988/89  Kunstmuseum Basel. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER
Skulptural 1988/89 Kunstmuseum Basel. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Das Ziel der Ausstellung ist es, einen erweiterten Blick auf das Schaffen der Künstlerin zu öffnen und neue Themen- und Fragestellungen einzubringen. Hannah Villiger wird damit im gegenwärtigen Diskurs situiert. So werden die Repräsentation des weiblichen Körpers, die Fremd- und Eigenperspektive auf die Physis, die Einordnung in den Mediendiskurs, Fragen von Oberfläche, Raum und Körper und die Objektivierung des Körpers in den Fokus genommen. Zudem bildet bei Hannah Villiger die Haut – dort wo der Mensch mit seiner Umwelt in Dialog tritt – den Schauplatz brisanter Fragestellungen nach Gender, Ethnie und Versehrtheit/Heilung. Sie bricht radikal mit der, wie es Griselda Pollock beschreibt, «bodily grammar of western classical sculptures’s vision of the female body». Der Körper bildet Villigers Material, er ist abstrahiert oder dekonstruiert; kann menschlichen aber auch pflanzlichen oder künstlichen Ursprungs sein. Er ist fluid und sprengt herkömmliche Grenzen.

Der Arbeit von Hannah Villiger werden drei zeitgenössische Künstler*innen anbei gestellt. Deren Werk wird in den Ausstellungsrundgang integriert. Als eine Art umgekehrte Zeitkapseln verweisen sie auf ein jüngeres, aktuelles Kunstschaffen. Hannah Villiger wird dadurch durch die Linse der uns umgebenden Gegenwart neu gelesen und spannende zeitgenössische Künstler*innen, welche sich heute mit vergleichbaren Fragestellungen wie Hannah Villiger in den 1970er- bis 90er-Jahren beschäftigen, werden vorgestellt.

Block XXX 1993/94 Jacques Herzog & Pierre de Meuron Cabinett, Basel. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER
Block XXX 1993/94 Jacques Herzog & Pierre de Meuron Cabinett, Basel. Copyright Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER

Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet, welche einen aktuellen Forschungsstand zum Schaffen von Hannah Villiger aufzeigt/darlegt. Der Tatsache, dass Hannah Villiger ein artists’ artist ist, wird in Interviews mit Künstler*innen Rechnung getragen. Zudem werden Raumansichten der teils erstmals installierten Arbeiten publiziert. Mit Texten von nationalen und internationalen Autor*innen. Erscheint im März 2023, die Buchvernissage wird in eine interdisziplinäre Tagung eingebunden.

Das Projekt kann dank der wertvollen kollegialen Unterstützung der Stiftung THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER realisiert werden.

Hannah Villiger kommt 1951 in Cham (CH), in der Nähe von Luzern (CH) zur Welt. 1971 besucht sie den Vorkurs der Kunstgewerbeschule in Zürich, 1972-74 die Bildhauerklasse bei Anton Egloff an der Schule für Gestaltung in Luzern. 1974 erhält sie das Eidgenössische Kunststipendium sowie ein Stipendium für das Istituto Svizzero in Rom. Bis 1977 lebt sie in Rom (erst im Istituto Svizzero, später in einer Wohnung in Trastevere), dann in Montefalco (IT), danach kehrt sie in die Schweiz zurück und lässt sich in Basel nieder. Ab 1986 lebt sie in Paris. Zwischen 1992 und 1996 hat sie einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung in Basel. 1997 stirbt sie in Auw (CH) nach längerer Krankheit.


Ihr künstlerisches Schaffen wird in der Schweiz, aber auch international rezipiert. Bereits im Herbst 1975 vertritt sie die Schweiz gemeinsam mit anderen Schweizer Künstlern wie John Armleder oder Martin Disler an der 9e Biennale de Paris, 1981 ist sie Teil der Gruppenausstellung Künstler aus Basel in der Kunsthalle Basel, wo sie der Kurator Jean-Christophe Ammann 1985 mit der Einzelausstellung Neid erneut zeigt, es folgt 1986 eine Einzelausstellung im Centre culturel suisse in Paris, 1988/89 eine im Museum für Gegenwartskunst in Basel. 1991 zeigt sie ihre Arbeiten im Kunstverein Frankfurt, 1994 vertritt sie die Schweiz gemeinsam mit Pipilotti Rist auf der 22. Bienal de São Paulo. Nach ihrem Tod folgen weitere Einzelausstellungen: 2001 in der Kunsthalle Basel und in der Kunsthalle Bonn, 2002 in der nGbK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin, 2007 im MAMCO Musée d’art moderne et contemporain in Genf, 2008 im Museum für Gegenwartskunst in Basel und 2012 im Centre culturel suisse in Paris. 2020/21 ist ihr Werk Teil von Gruppenausstellungen im Kolumba in Köln und im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen.



Internationale Presse:

Sutton Press| E: charlottew@suttoncomms.com| T: +44 (0)7809 901890