Acziun Susch › Co-productions & Residencies › mayfield brooks

Acziun ist begeistert, dey in New York arbeitende mayfield brooks in der Künstler:innenresidenz begrüßen zu dürfen.

mayfield brooks wird den Monat Oktober hindurch einer neuen Bühnenarbeit entgegen recherchieren. Diese wird Teil einer Serie von Arbeiten sein, die auf deren für die Bessie Awards nominierten Film Whale Fall (dt. Walsturz) basieren. In der finalen Woche des einmonatigen Aufenthalts in Susch wird mayfield brooks von (…) begleitet werden.

Während der Residency plane ich meine Auseinandersetzung mit Verwesung als einem generativen und gestaltwerdenden Prozess zu vertiefen, der die destabilisierenden gesellschaftlichen Prozesse menschlichen Exzesses, industrieller Kontaminierung und Anti-Schwarzsein entlarven kann. Ich arbeite an einer Serie choreografischer Provokationen, die auf dem Prozess des Kompostierens sowie dem Phänomen des Walsturzes beruhen – dem Kompostierungsprozess des Wals, der, während er tot auf den Meeresgrund sinkt, tausende Meerestiere ernährt. Meine Recherche wird Verwesung als angestammte Heilung der Erde untersuchen.

In meinen Augen wird der Walsturz zu einem Tanz, einem Ort der Trauer und Regeneration, der Klage, der Ekstase, er wird Lied und akustische Erlösung. Es ist Bedürfnis mit Trauer und Rage da zu sitzen, in einer Welt, die zu viel verwirft, zu viel verbraucht und zu viel verschmutzt. Folglich scheinen die Körper von Walen und die Schwarzer Menschen seit dem transatlantischen Sklavenhandel in der Erfahrung verwandt, gejagt, verzehrt, zum Verschwinden und zum Schweigen gebracht worden zu sein. Manche Schiffe des Sklavenhandels wurden später zum Walfang genutzt.

Schwarzer Tod ist ein bauchiger Raum der Nichtanwesenheit. Er braut sich in der Luft meines Geistes zusammen, wie ein unsichtbarer Eindringling. Schwarzer Tod sucht mich heim, kneift meine Fersen und versetzt mich in nächtliche Schweißausbrüche. Also wende ich mich an den Wal, dass er mich leben und sterben lehrt. Ich wende mich an den Wal, dass er mich das Atmen lehrt. Ich wende mich an den Wal, dass er mich lehrt zu singen, zuzuhören, Echo zu orten, zu kommunizieren, matriarchale Familien zu unterhalten und die Ozeane zu bereichern.

Ich höre die Wale zu mir sprechen. Sie sagen, sie werden mich lehren, wie man im Abgrund lebt. Sie sagen, dass sie die Abwesenheit kennen, da sie das Gros ihres Lebens in den Tiefen der Meere verbringen. Sie sagen, dass sie mich mit in die Tiefen nehmen, wohin ihre Körper sinken, wenn sie tot sind. Ich sage den Walen, dass ich sie nicht in die Tiefe begleiten kann, da ich dort nicht atmen kann. Die Wale erinnern mich daran, dass ich auch hier auf Erden nicht atmen kann und, dass meine Vorfahren sie hierhin geschickt haben, um mich an die Unmöglichkeit meiner Existenz zu erinnern.

Ich tauche auf, um Luft zu holen. Ich bin ein Wal begriffen im Sturz in den Abgrund. Ich fühle wie mein Körper seine menschliche Form und damit seine Furcht verliert. Ich bin abwesend. Die Künstler:in ist nicht anwesend. Ich muss nicht auftauchen, etwas tun oder jemand sein. Ich verschwinde in die Schwärze der Verwesung, während diese ins Nichts sinkt. Niemand versucht mich zu töten, da ich nicht mehr bin.

Wal sagte

Walstürze mit mir auf den Grund der See


mayfield brooks arbeitet mit bewegungsbasierter Performancekunst, Gesang, städtischer Landwirtschaft, schreibend und wandernd mit Arbeitsschwerpunkt in Lenapehoking, auch bekannt als Brooklyn, New York. mayfield brooks erhielt 2021 die Merce Cunningham Auszeichnung der Foundation for Contemporary Arts. Brooks’ Tanzfilm, Whale Fall (dt. Walsturz), war für den 2021 Bessie Award nominiert und dey ist 2022-23 Hodder Fellowship der Princeton University. Brooks lehrt und performt international und die Gesamtheit deren Arbeit entspringt deren Lebens-/Kunst-/Bewebungspraxis, Improvising While Black.

https://www.improvisingwhileblack.com